Qualifikationen für technische Führungskräfte

Hier ist die Zusammenfassung meines Interviews mit Mag. E.K. – er ist Produktmanager in einem großen Weiterbildungsinstitut und für Führungskräfte-Ausbildungen zuständig, 32 Jahre Berufserfahrung.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Qualifikationen für diese Nachwuchs-Führungskräfte?

Für Techniker ist das in erster Linie die Kommunikation zu den Mitarbeitern, eine Aufgabe richtig weiter zu geben, statt sie wie bisher selber zu erledigen. Kommunikation ist eine breites Thema, dass sich über Bereiche wie Motivation, Delegation, Feedback, Verhandeln und Präsentieren erstreckt. Wichtig erscheint mit auch das Thema exakte Vereinbarungen und Kontrolle. Ohne Kontrolle nützt die Vereinbarung wenig. Und der Umgang mit Information: nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Beides sind Stressfaktoren.

Wie beurteilen Sie die Bedeutung der Qualifikationen, die ich jetzt stichwortartig nenne:

Kommunikation

Eben, wie gesagt, da gehört fast alles weiter dazu.

Delegation

Vor allem in der Anfangsphase wichtig, die meisten lernen aber schnell, damit umzugehen.

Präsentation

Gehört auch dazu, vor allem, wenn das Team nach außen zu vertreten ist, wenn es darum geht, etwas für seine Leute zu erreichen. Der Techniker neigt dazu , sich gern in Details zu verlieren, hier muss er aber die Sache rhetorisch gut aufbauen und auf den Punkt bringen können.

Verhandeln

Das Thema versteckt sich in vielen Alltagshandlungen, beim Treffen von Vereinbarungen, bei Gehaltsfragen, bei der Einteilung der Leute, Urlaubsplanung, überall muss man verhandeln können und schauen, dass keiner sauer ist.

Mitarbeitermotivation

Eben, ein Teilbereich der Kommunikation und für die Leistungen der Mitarbeiter unerlässlich. Das Wollen muss immer stärker sein als das Müssen. Dazu gehört ein gutes Teamklima, es muss der Sinn der Sache klar sein, es muss jeder genau wissen, was tun muss und darf und was nicht, es soll natürlich auch jeder seinen Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden, so schwierig das in der Praxis sein kann.

Teamentwicklung

Ist ein wichtiger Punkt, bei der Teamentwicklung geht es einerseits um die gesamten Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit im Team, aber auch darum, die Werkzeuge auf Teamebene zu kennen und einsetzen zu können. Ein Team gehört immer als Ganzes entwickelt, dazu bedarf es gezielter Moderationstechniken, die man erlernen und üben muss. Gut ist einmal im Jahr auch ein Workshop mit externem Moderator.

Führung über Ziele

Das muss man auch lernen, das ist eine weitere Phase des Loslassens. Zuerst werden einzelne Arbeitsschritte delegiert, dann der ganze Prozess oder das ganze Projekt

Einzel-Mitarbeitergespräche

Eine oft unangenehme Sache, hier geht’s ja auch um das anbringen von Kritik. Mit entsprechenden Gesprächstechniken kann hier viel erreicht werden. Ziel ist ja immer, dass die Leute gestärkt und nicht geknickt oder verbittert aus dem Gespräch gehen.

Team-Mitarbeitergespräche

Ein Instrument, das zunehmend „in“ ist. Früher wurde viel Geld für externe Moderation ausgegeben, seit der Wirtschaftskrise sparen viele Betriebe und die Führungskräfte haben sich von den Moderatoren viel abgeschaut, was sie jetzt selber umsetzen. Aber ja, für Neueinsteiger ist eine Ausbildung der wichtigsten Moderationstechniken wie z.B. Metaplan eine gute Sache.

Konfliktregulierung

So alltäglich wie das Verhandeln – in der Ausbildung lernt man, die positiven Aspekte, die Energie der Konflikte zu nutzen, für beide Seiten.

Coaching durch den Vorgesetzten

Wird immer wichtiger, auch wenn es viele Ressentiments gibt und viele Ausbildungen sehr esoterisch angehaucht sind – das wird z.B. bei Techniker oft nicht angenommen. Also wenn, dass auf jeden Fall systemisches Coaching und nicht NLP.

Gibt es noch weitere wichtige Qualifikationen?

Die wichtigsten haben wir schon besprochen – was mir noch einfällt, ist vielleicht das Thema Mitarbeiterentwicklung, wie kann ich wen fördern, was braucht er dazu, auch, was brauchen die Mitarbeiter für Ausbildungen.

Und abschließend vielleicht noch das Thema Wissenstransfer, wie kann ich das implizite Wissen der älteren an die jüngeren gezielt weitergeben.